Vereins-Chronik

Fahnenweihe 1923

Der Trachtenverein Grassau wurde am 16. März 1920 gegründet. Die Gründungsversammlung fand im Gasthof zur Post in Grassau statt. Als Vereinsname wurde „Gebirgs-Trachten-Erhaltungs-Verein d' Hochplattner, Grassau“ gewählt.

Im August 1922 beschaffte der Verein seine erste Vereinsfahne. Am 7. und 8. Juli 1923 hielt der Verein seine Fahnenweihe ab. Ein „schmucker“ Festzug mit 38 Vereinen und sechs Musikkapellen bewegte sich durch das Dorf. Den ersten Meistpreis erhielt der Trachtenverein Chiemgau Feldwies und den zweiten Meistpreis konnte der Trachtenverein d`Buchwäldler Übersee entgegen nehmen. Dem Patenverein Bernau wurde eine Ehrengabe überreicht. Es wurden 1693 Festzeichen zu je 3.000 Mark verkauft. Der Überschuss betrug 1,5 Millionen Mark.

Am 26. August 1923 nahm der Verein am Gaufest und an der Fahnenweihe des GTEV „Edelweiß“ in Berchtesgaden teil. Der Verein wurde „ohne Widerrede“ in den Gauverband I aufgenommen.

1926 besuchte der Verein in Unterwössen die Versammlung „zwecks Austritt aus dem Gauverband I und Gründung eines neuen Gauverbandes“. Im Juni 1926 war in Marquartstein Gründung des neuen Verbandes und man ließ sich sofort als Gründungsverein aufnehmen. Der neue Verband erhielt den Namen „Chiemgau-Alpenverband für Tracht und Sitte“. Bei der Gründungsversammlung wurde Alois Bosch aus Grassau als Beisitzer in den Gauausschuss gewählt.

Jungplattler 1934
10jähriges Gründungsjubiläum

Beim ersten Gaupreisplattln 1927 in Unterwössen errang der Grassauer Trachtenverein den dritten Platz beim Gruppenplattln.

 Am 8. Juli 1928 nahm der Verein bei der Fahnenweihe des Trachtenvereins Marquartstein teil und erwarb den ersten Meistpreis, ebenso beim Gautrachtenfest am 12. August in Staudach.

1929 hat der Trachtenverein Grassau als Patenverein bei der Fahnenweihe des Trachtenvereins Piesenhausen teilgenommen.

Innerhalb des Chiemgau-Alpenverbandes wurde in Grassau Ende der 20er Jahre die erste Jugendgruppe gegründet, was am Anfang sehr umstritten war und man heftig dafür beschimpft wurde.

1933 lud der Verein zu dem 1.Gautrachtenfest in Grassau ein. 30 Vereine mit acht Festwägen und fünf Musikkapellen folgten der Einladung.

In Grassau wurde 1936 der erste Maibaum aufgestellt. Der Trachtenverein beteiligte sich sehr zahlreich und stiftete zur Schmückung des Baumes vier Trachtenfiguren.

Der Burschenverein Grassau wurde 1938 in den Trachtenverein eingegliedert und das Inventar - einschließlich der Burschenfahne - vom Trachtenverein, übernommen.

Der zweite Weltkrieg beendete die Aktivitäten des Vereins weitgehend, 1940 wurde beschlossen, dass sämtliche Zinngegenstände des Vereins abgeliefert und „dem Führer zur Verfügung gestellt werden“. Die Beschenkung der zum Kriegsdienst Einberufenen wurde 1941 mangels finanzieller Mittel eingestellt.

Kurz nach Kriegsende fanden sich die Trachtler wieder zusammen. Bereits am 18. August 1945 fand die erste Ausschusssitzung nach dem zweiten Weltkrieg und damit die Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit statt. Der erste Almtanz nach dem Krieg wurde am 25. August für die Ortsbewohner und die amerikanischen Truppen abgehalten.

Am 11. August 1946 richtete Grassau das erste Gaupreisplatteln nach dem 2. Weltkrieg aus. Dem Protokollbuch war zu entnehmen, dass rund 2.000 Zuschauer das Ereignis mit Spannung verfolgten. 18 Vereinsgruppen und 226 Einzelplattler stellten sich den Preisrichtern. Unsere Gruppe mit Hans Moritz, Nikolaus Aigner, Georg Weiß und Mathias Huber erreichte beim Gruppenplattln den zweiten Platz. Ein Jahr später beim Gaupreisplattln in Übersee errang unser Verein mit den Plattlern Mathias Huber, Georg Weiß, Franz Maier und Hermann Bosch den ersten Preis beim Gruppenplatteln.

Vereinsfoto 1950

1950 hielt der Verein sein 30-jähriges Gründungsfest ab, 22 Vereine mit vier Musikkapellen nahmen daran teil.

1953 richteten die Grassauer das Gaupreisplatteln am Strehtrumpf aus.

1958 wurde das Gautrachtenfest des Chiemgau-Alpenverbandes zum zweiten Mal in Grassau abgehalten, 24 Vereine mit acht Musikkapellen und fünf Festwägen nahmen daran teil.

Zum 40-jährigen Gründungsjubiläum hielt der Verein 1960 im Gasthaus zur Post einen Heimatabend ab.

Am 31. Juli wurde am Strehtrumpf wieder ein Gaupreisplatteln in Grassau ausgerichtet.

Das erste Gaudirndldrahn mit Gauball richtete der Chiemgau-Alpenverband in Grassau im Gasthaus zur Post aus, Christl Holzner aus Staudach konnte sich den Sieg des ersten Gaudirndldrahns sichern.

Beim Gaupreisplattln 1961 in der Feldwies errang unser aktiver Plattler Hans Moritz junior in seiner Altersklasse den ersten Preis.

Bei der Markterhebung 1965 beteiligte sich der Grassauer Trachtenverein beim Festabend und Festzug.

Nach mehreren Jahren Pause wurde in Grassau wieder eine Jugendgruppe gegründet. Schon zwei Jahre später beim ersten 6-Vereine-Jugendpreisplattln in Übersee siegte die Grassauer Gruppe mit einem deutlichen Vorsprung.

50jähriges Gründungsjubiläum: Aktivengruppe

Das Jugendpreisplatteln 1968 der unteren Achental-Vereine richtete der Grassauer Trachtenverein im Gasthof zur Post aus. Die Gruppe des Grassauer Vereins siegte mit großem Vorsprung. Im Oktober hielt der Chiemgau-Alpenverband wieder das Gaudirndldrahn mit Gauball in Grassau ab.

1970 führte der Trachtenverein Grassau das 34. Gautrachtenfest, das dritte seiner Vereinsgeschichte durch. Gleichzeitig feierte der Grassauer Verein sein 50jähriges Gründungsjubiläum. 30 Vereine, zwölf Musikkapellen und sieben Festwägen waren mit dabei, mehr als 10.000 Zuschauer säumten die Straßen des Ortes. Zum erstenmal Mal führte der Grassauer Verein den Festwagen mit dem Gauzeichen des Chiemgau-Alpenverbandes mit.

Die Fahne aus dem Jahr 1923, die den Verein durch die Jahrzehnte begleitet hat, war im Laufe der Jahre verschlissen. Der Verein entschloss sich 1975 eine neue Fahne zu beschaffen. Die zweite Fahnenweihe des Grassauer Trachtenvereins wurde am 9. und 10. August durchgeführt. 24 Trachtenvereine nahmen am Festzug teil.

 

Gruppenfoto 1990

1980 übernahmen erneut die Grassauer das Gaufest. 

So wurde überliefert, dass sich während des Festzuges plötzlich eine große und dunkle Gewitterfront aufbaute. Mit viel Glück kamen aber alle Zugteilnehmer noch trocken in das Festzelt, bevor der Himmel seine Schleusen öffnete, Sturm, Blitz und Donner über Grassau hinweg fegten. Das Festzelt wurde auf der Bühnenseite aufgerissen, so dass die Grassauer Trachtenkapelle von der Bühne „flüchtete“. Nach einem kurzen Arbeitseinsatz war der Schaden behoben und das Gaufest konnte so seinen würdigen Ausklang finden.

In diesem Jahr fand sich eine Gruppe zusammen die historische Kleidung aus dem Rokoko wieder zum Leben erweckte; etwas später schlossen sie sich dem Grassauer Trachtenverein an.

Die Kleidung wurde dem historischen Gwand um 1707, das in der Grassauer Pfarrkirche als Rokokofresko zu sehen ist, nachempfunden.

Die Gruppe wurden unter dem Namen „Historische Bürgergruppe“ gegründet und nahm in diesem Jahr erstmalig am Gaufest teil.

Festzug 1990

Das 54. Gautrachtenfest des Chiemgau-Alpenverbandes wurde 1990 in Grassau gefeiert.

25 Vereine, 18 Musikkapellen und 28 Festwägen nahmen beim Festzug teil, wiederum sahen sich mehr als 10.000 Zuschauer den Festzug des fünften Gaufestes an, das der Grassauer Verein ausgerichtet hat.

Zusammen mit den Orts- und Patenvereinen feierte der Grassauer Trachtenverein 1995 sein 75jähriges Gründungsjubiläum.

1998 richtete die Historische Bürgergruppe des Grassauer Trachtenvereins das 9. Treffen der historischen Trachten aus.

Der Grassauer Trachtenverein hat 2003 in Eigenregie und auf eigene Kosten einen Vereinsstadel errichtet, in dem das Vereinsinventar und die Festwägen platz gefunden haben. Die Einweihung mit anschließendem Helferfest fand im Jahre 2004 statt.

 

Gruppenfoto 1990: Trachtenkapelle
Vereinsstüberl im Gasthof zur Post

Über Jahrzehnte hinweg begleitete die Grassauer Trachtenkapelle die „Hochplattner“ bei allen kirchlichen und weltlichen Festen in vorbildlicher Weise. Auch bei den Heimatabenden und Almtänzen war die Trachtenkapelle ein Garant für die Auftritte der Trachtler und trug durch ihre erfrischende Spielweise maßgebend zur guten Stimmung bei. Auf unsere Trachtenkapelle war jederzeit Verlass. Ende 2004 hörte die Kapelle aus „Altersgründen“ auf und spielte beim Weihnachtsalmtanz zum letzten mal. Die Grassauer Marktkapelle übernahm dann für die Zukunft die musikalische Begleitung.

Durch den Umbau des "Gasthofs zur Post" hat sich die Möglichkeit eines größeren und zentraler gelegenen Probenraumes ergeben, und das in der Lokalität in der er gegründet worden ist. Seit der Übergabe des entkernten Raumes durch die Gemeinde im März 2007 bis zum fertiggestellten und prachtvoll ausgebauten und geschmückten Vereinstüberl im Herbst 2008, wurden rund 1700 Arbeitsstunden in Eigenregie geleistet. Rund 100 Quadratmeter stehen nun als Vereinsstüberl für gesellige Zusammenkünfte, Proben und als Treffpunkt zur Verfügung.

Eine besondere Eigenart des Grassauer Trachtenvereins ist der Hutschmuck mit Habern (Hafer) bei den Gau- und Vereinsfesten. Dies ist als Überlieferung aus früheren Zeiten zu sehen, wo in Grassau sehr viel Hafer angebaut und die Bevölkerung als „Grassauer Haberer“ bezeichnet wurde. Schon bei der Gründung des Trachtenvereins Grassau wurde dies aufgegriffen und so trägt man auch heute noch einen „Habernähren“ als Hutschmuck.

Auf 90 Jahre Vereinsgeschichte kann der Gebirgs-Trachten-Erhaltungs-Verein „d' Hochplattner“ Grassau zurückblicken. Der Verein hat viele schöne Zeiten erlebt, aber auch Zeiten der Trauer und Entbehrung durch den zweiten Weltkrieg, in dem 13 Mitglieder gefallen sind. Heimatverbundenheit, aber auch Stolz der Grassauer Trachtler, haben den Verein mit über 500 Personen zum mitgliederstärksten Verein im Chiemgau-Alpenverband heranwachsen lassen. Bei den Gautrachtenfesten der letzten Jahre belegte der Grassauer Trachtenverein immer einen der vorderen Plätze bei der Vergabe des Meistpreises, zuletzt von 2000 bis 2003 in ununterbrochener Reihenfolge den ersten Meistpreis.